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In meiner Malerei verwende ich gerne Gegensätze: Kreise konkurrieren mit Quadraten und Rechtecken, Glattes gegen Strukturiertes, Linie gegen Fläche. Es wird gemalt, gespachtelt, lasiert, gekratzt .... aufgebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Die Farbe als Material an sich ist schon Motivation und Antrieb. Meist bewege ich mich auf der Grenze zwischen Abstraktem und Gegenständlichem und überschreite sie mal in diese, mal in jene Richtung. Ich beginne meine Bilder zwar mit einer bestimmten Idee. Diese wird dann aber oft durch den Malprozess geändert oder verliert sich ganz zugunsten eines neuen Pfades, der verfolgt wird. Häufig überlagern sich viele Schichten; manchmal verschwinden ganze Bilder unter dem, was später noch darauf wachsen will. Der Prozess der Veränderung ist also ein wichtiges und oft bewußt sichtbar bleibendes Element meiner Arbeit, denn er zeigt Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht sogar ein Stück Zukunft. Bei meinen Arbeiten auf Papier steht das schnelle, spontane Spiel im Vordergrund. Die Elemente sind kleiner und behalten im Papierweiß viel Raum. Aus einigen dieser (Tusche-) Zeichnungen entwickelten sich Vorlagen für Holz- oder Linolschnitte, die ich in der Regel als Unikatdrucke umsetze. Über die Jahre hat sich eine Vorliebe für die Kreisform heraus gebildet. Ausschlaggebend dabei war die Entdeckung der Vielfältigkeit dieser Form in der Darstellung höchst unterschiedlicher Themen. Was erstmal als rein geometrisch-abstrakte Form betrachtet werden kann, entwickelte sich über das Experimentieren, Abwandeln und in Beziehung setzen zu anderen Bildelementen immer mehr zu einem multi-funktionalen Gebilde, das ich gerne verwende. In irgendeiner Weise taucht der Kreis – und sei es zumindest als "Nebendarsteller" – fast immer auf. Inhaltlich lebt das Bild mal aus sich heraus in freien Farb- und Formenkompositionen, mal drängt sich ein Gegenstand aus dem Alltagsleben in den Vordergrund. Politik und Gesellschaft, aber auch scheinbar banale Gegebenheiten um mich herum beeinflussen mich und fordern mich heraus. Bei dem Bild "Topf" z. B. wird sowohl der oben erwähnte Veränderungsprozess sichtbar als auch Themen, die mich gerade bewegen. Der Topf steht hier für das Thema Nahrung bzw. Grundbedürfnis Essen, dessen Befriedigung im Rahmen wirtschaftlicher Veränderungen für viele Menschen immer wieder in Frage gestellt wird. Als eine Art Zeitenspiegel können auch solche Bilder wie z.B. "Rolle rückwärts" oder "Das Pfeifen im Dunkeln" gesehen werden. Rolle rückwärts beispielsweise bezieht sich auf die Notwendigkeit, die Überdrehtheit in ökologischer / ökonomischer und damit auch in sozialer Hinsicht zu überdenken. "Das Pfeifen im Dunkeln" entstand im zeitlichen Kontext (Winter 2008/ 2009), als sich die Nachrichten über die Finanzkrise und zu dem noch über das Geschachere mit dem Zugang zur Energieversorgung überschlugen. Die Kreise auf diesem Bild kann man durchaus als "Pfeifen" interpretieren, was inhaltlich der Schwere quasi ein Lachen gegenüber stellt. - Ich möchte meine Bilder aber sehr wohl über aktuelle Nachrichten hinaus verstanden wissen, denn Zustände der Verunsicherung oder der notwendigen Reflexion sind allgemein menschliche Fragen und tauchen in jeder Zeit auf. Nicht zuletzt ist mir aber auch das ästhetische Vergnügen an Formen und Farben wichtig. Diese Inhalte stehen nicht gedanklich im Vordergrund, wenn ich eine neue Arbeit beginne. Es ist eher so, daß sich solche Inhalte quasi von hinten während des Arbeitsprozesses mit einschleichen und ich sie dann gewähren lasse (oder auch nicht). Es kommt auch vor, daß mir scheinbar zweckfreie Formen erst im Nachhinein ihren Zusammenhang mit mehr oder weniger bewußten Themen offenbaren. Die Titel meiner Bilder geben meine eigenen, zum Zeitpunkt der Benennung entstandenen Assoziationen an. Jedem steht es aber völlig frei, auch andere Bedeutungen in meinen Arbeiten zu suchen und zu finden. Maria Gust, April 2009 |
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